Am Meer

Ach ja, wie schön wäre es doch, das Meer direkt vor der Haustür zu haben!
Hast Du Dir das auch schon so manches Mal gedacht?

Gut viereinhalb Stunden Autofahrt sind jetzt auch nicht unüberwindbar, aber eben nicht, so wie im Urlaub, zu Fuß erreichbar.

Denn ich bin ein Wasserfan! Richtung Strand und Dünen schlendern, die scheinbar endlose Weite genießen, den Wellen lauschen und einfach Sein.

Cut.

Gestern war Samstag. Es sollte wieder richtig heiß und schwül werden. Deshalb ging es auch schon am frühen Morgen zur großen Gassirunde in den nahe gelegenen Wald. Danach ein gemütliches Frühstück, dann Hausarbeit. Und zur Belohnung eine gemütliche Leserunde im Garten, denn der neue Schmöker wartet schon seit letzten Monat auf mich.

Soweit der Plan.

Das Frühstück war lecker und danach habe ich mich direkt an die Arbeit gemacht. Die Böden gesaugt, die Läufer zum Lüften rausgehängt und alles vom Boden weggeräumt, damit es mit dem Wischen auch ganz fix geht.

Aber was war das? Flecken an der Küchenwand? Verfärbungen, die mit Sicherheit vor zwei Monaten nicht dort waren, denn da habe ich umgeräumt. Hmmm. Auf der anderen Seite der Küche ist der Heizungsraum…

Und so schön es auch ist, an einem heißen Tag eine Erfrischung zu erhalten, doch bitte nicht innerhalb des Hauses, solange kein Pool installiert ist 😉 Denn was da ganz genüsslich aus dem Rohr, die Wand entlang und dann auf den Boden tropfte, war Heizungswasser.

Panik! Frust! Und nur ein Gedanke: Sch…!

Zum Glück habe ich den Sanitärmenschen erwischt, der eine halbe Stunde später auf der Matte stand, erst einmal meinen ganz persönlichen Wasserfall eindämmte und mir erklärte, was da nun alles auf mich zukommt. So mit Heizungsaustausch, Wand trockenlegen u.s.w.

Wir haben auf den Schreck erst einmal einen Kaffee getrunken, uns über unsere Hunde ausgetauscht und irgendwann konnte ich auch wieder lachen.

Wozu jetzt auch noch Zetern und Lamentieren? Die alte Heizung hatte längst ihren Zenit überschritten, der Vermieter ist informiert und spätestens am Montag liegt das Angebot für die Schadenbehebung vor.

Gut, dass ich jetzt kein Warmwasser habe und regelmäßig das Restgetröpfel aus dem Rohr auffangen und abgießen muss ist lästig und entfacht keine brennende Begeisterung in mir,  ist aber notwendig.

Das Maß der Aufregung dieses Tages war dafür offensichtlich erreicht und eines wurde wieder einmal klar: Jede Minute, die wir uns ärgern oder mit Belanglosigkeiten verbringen ist verloren. Unwiderruflich dahin.

Sollten wir da nicht mehr die guten Zeiten schätzen? Bis zum nächsten (Meeres)Urlaub ist es ja noch ein Weilchen hin, aber dafür können wir uns an all den anderen wunderbaren Schönheiten, die uns jeden Tag begegnen erfreuen und dankbar für sie sein. Auch ganz weit ab von der See.

Die Heizung sollte dann auch wieder laufen, obwohl ich ja hoffe, dass sie erst recht spät im Jahr wieder angedreht werden muss!

Liebst Du das Leben?
Dann verschwende keine Zeit!
Denn das ist der Stoff, aus dem das Leben gemacht ist.

Benjamin Franklin

 

 

8. Türchen: Wärme

Wärme! Dieser Moment, wenn Du von draußen in Dein wohliges Heim kommst, die Heizung verlässlich ihren Dienst tut und Du Dich ganz schnell Deiner Wintersachen entledigen kannst. Angekommen!

Der derzeit herrschende Frost wird einfach ausgesperrt. Türe zu und gut. Du machst es Dir gemütlich, genießt Kekse im Kerzenschein und freust Dich an der heimeligen Atmosphäre, die Dir Dein Zuhause bietet.

Dieses wundervolle Gefühl der Wärme gibst Du auch weiter, wenn Du jemanden in den Arm nimmst oder herzlich anlächelst, gleich aus Liebe oder Trost.

Akzeptiert sein, anerkannt sein, geliebt sein: Seelenwohl, das jedem Lebewesen gut tut.

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Loslassen … und ganz viel zurückbekommen

Einfach gesagt – schwieriges Thema. Finde ich. Besonders bei Menschen… und eigenen Verhaltensweisen… und Dingen.

Erst haben wir alles so schön aufgebaut, angesammelt und zusammengetragen und jetzt? Einfach wieder davon ablassen? Obwohl wir ganz genau wissen, dass es dann viel besser wäre: Für unser Wohlbefinden, für unsere Behaglichkeit, für unser Glück.

Am Wochenende war ich auf dem Flohmarkt. Als Verkäufer. Nein, ungeliebte Zeitgenossen und Angewohnheiten bin ich da nicht losgeworden, aber jede Menge Kram.

All das, was seit Jahren in Schränken, Kisten und Kasten schlummert und mein trautes Heim verstopft. Obwohl ich regelmäßig ausmiste, aber eben nur mal hier und da. Kein Tabularasa im großen Stil. Immer alles schön übersichtlich.

Damit war nun endgültig Schluß! Denn, um ehrlich zu sein, die Übersicht hab ich irgendwann verloren. Wie viele Salatschüsseln braucht man wirklich? Mit dem Heer an Büroklammern hätte ich eine ganze Abteilung ausstatten können und Klamotten, von denen ich immer wieder dachte ‘Naja, die kann ich noch zum Streichen oder Gassi gehen anziehen…’ Humbug!

Malerarbeiten lasse ich machen und beim Laufen mit dem Hund möchte ich Sachen tragen, in denen ich mich wohlfühle! Okay, ein bis zwei nicht mehr ganz so taufrische Hosenexemplare für den Winter haben sich tapfer im Bestand gehalten. Sei´s drum.

Ansonsten blieb keine Schublade, kein Schrankfach und kein Kommodenregal unberührt. Bücher, Küchenutensilien, T-Shirts, Nagellacke, Oster-, Weihnachts- und andere Saisonartikel, alles, was ich nicht wirklich benutze ist rausgeflogen.

Was für ein befreiendes Gefühl!!!

Mein Motto beim Ausmisten war: Was mich nicht zufrieden macht, mir nicht wirklich gefällt oder was ich geschenkt bekommen habe (und von Anfang an nicht mochte) muss gehen.

Knapp zehn Tage dauerte dieser Ausnahmezustand – mein Hund und die Katzen waren, ob des zeitweiligen Chaos in unserem sonst behaglichen Zuhause etwas verstört, denn kein Stein bzw. Teller blieb auf dem anderen. Mittlerweile haben sie sich aber wieder entspannt (-:

Nach jeder Sortieraktion war ich körperlich und mental erschöpft, gleichzeitig fühlte ich mich beflügelt und im wahrsten Sinne des Wortes erLEICHTert.

Platz in den Schränken und auf den Regalen. Mit einem Blick zu sehen was ich habe und wo es ist, noch dazu mit einem Griff das in der Hand halten, was ich gerade brauche: Herrlich!

Dafür sah es jetzt in Flur und Hof ungleich ordentlicher aus: Denn was ausrangiert wurde, wanderte direkt in Kartons für den Trödel und die mussten schließlich auch irgendwo gelagert werden. Aber das war nur ein Thema ‘auf Zeit’. Also dachte ich mir “Zähne zusammenbeißen, das geht auch vorbei.“

Am Samstag ging´s dann ans Auto packen, bei 30 Grad nicht gerade erfrischend, aber dafür war der Anblick meines wieder ansehnlichen Wohnraums ein rundum lohnender!

Was ich nun für´s Loslassen und ackern erhalten habe? Jede Menge angenehmer, interessanter und oft auch witziger ‘Verhandlungsgespräche’ mit den Flohmarktbesuchern, ein nettes kleines Sümmchen Bares und das wunderbare Gefühl, nichts verloren zu haben.

Im Gegenteil: Mein neues Zuhause macht mir mehr Freude denn je und ich freue mich an den Sachen, die ich auch nutze.

Wenn ich loslasse, was ich bin, werde ich, was ich sein könnte.
Wenn ich loslasse, was ich habe, bekomme ich, was ich brauche.

Lao Tse

Was die Gewohnheiten angeht, die ich noch loswerden möchte, dazu schreibe ich ein anderes Mal. Von heut’ auf morgen geht das ja auch nicht. Es ist eben wie beim Ausmisten…

 

P.S. Die Sachen, die ich nicht losgeworden bin, wandern nicht zurück in die Schränke. Statt dessen spende ich sie dem Sozialkaufhaus. Dann kann sich noch jemand anderes darüber freuen.