Hygge… oder: Wie ein Hype entsteht

Meiner Meinung nach mit einem Quäntchen Glück und ganz viel Sehnsucht!

Im vorliegenden Beispiel sind dies die Sehnsucht nach:

  • einem Spieleabend mit guten Freunden, gerne auf einer Berghütte – nicht zwingend eingeschneit, aber unbedingt am Kamin.
  • einem Zuhause, das Dir Geborgenheit schenkt und Dir einen sicheren Rückzugsort bietet, weil die Einrichtung Dein Bedürfnis nach Lebensqualität spiegelt.
  • einem entspannenden Lesenachmittag in Deinem Ohrensessel oder auf der Couch, Deiner mit Kaffee, Tee oder Kakao gefüllten Lieblingstasse – gerne ungeschminkt und im Pyjama, begleitet von einem Stück Kuchen oder Schokolade.

Also genau all jene Zutaten, die es braucht, um Dich lächeln zu sehen. (Du darfst die Liste Deiner Sehnsüchte natürlich gerne beliebig in den Kommentaren ergänzen.)

Und was das Quäntchen Glück angeht, ist es wahrscheinlich doch eher ‚eine gehörige Portion‘ – mit ordentlich Nachschlag. Denn es bedarf des richtigen Zeitpunkts und eines empfangsbereiten Adressaten, genau dieses Gefühl -oft mittels eines Produkts- zu adressieren und damit treffsicher zu platzieren.

Es muss ankommen. Es muss gefallen und, ganz wichtig(!), es muss ganz viele Male und gerne auch grenzübergreifend verteilt werden. Letzteres geht ja heute ganz fix – wenn die hier oben genannten Gegebenheiten alle zusammenfinden.

Mit dem Charme des hyggeligen Lebensgefühls hat es jedenfalls geklappt.
Einzig, es wundert mich nicht. Denn wer genießt nicht gerne? Wer möchte dauerhaft auf ein Glücksgefühl oder Gemütlichkeit verzichten? Wen lassen Worte wie behaglich, wohlig oder kuschlig kalt?

Ganz das Gegenteil ist der Fall: Im Zeitgeist von Effizienz- und Umsatzsteigerung gönnen wir uns doch gerne mal was. Nicht nur am Wochenende oder im Urlaub, auch außerhalb des Budgets. Da kommen Kuscheln und Kredenzen mindestens so gut an wie Rückzug und Rotwein.

Hygge kam genau zur rechten Zeit zu uns, sonst wäre es ja nicht so erfolgreich und präsent. Mit Sicherheit ist es auch eine Zutat für das scheinbar fortwährend andauernde Glücksgefühl der Dänen – dies bescheinigt zumindest der World Happiness Report der UN!

Aber ein Dauer-Abo aufs Glück? Klingt zwar verlockend… aber so einfach ist es dann doch nicht. Da reichen ein paar Kerzen auf dem Fenstersims, ein Fell auf der Holzbank und eine Handvoll guter Freunde allein nicht aus, um aus Deinem Leben ein rundum zufriedenes und sorgenfreies zu machen.

Etwas mehr benötigt es dazu schon noch: Nämlich einen ausgewogenen Mix aus Gesundheit, Vertrauen, Freiheit, Ehrlichkeit sowie einer ausgleichenden Sozialpolitik. Eigenintiative kann sicher auch nicht schaden. Und natürlich ganz viel Meer!

Es ist also ein Rundum-Paket, was das Glückspotential auf einen hohen Posten hievt. Doch können die oben genannten Zutaten da gut unterstützen und sollten es auch. Ein bisschen Hygge tut doch allen gut.

Auch wenn keine Modeerscheinung, wie der Hype früher einmal hieß, ewig dauert.

Ungewöhnliches, Spektakuläres und Aufsehen erregendes werden Dir auch künftig neue Trends bescheren. Ob Du die Begeisterung für sie ungeprüft teilst oder auch ganz bewusst Abstand nimmst und Dich damit evtl. zum Außenseiter degradierst, bleibt Dir überlassen. Denn nicht alles, was plötzlich überall auftaucht, muss auch zu Dir passen… und vielleicht hast Du Dein Glück ja auch schon längst gefunden?

„Wer nicht mit dem zufrieden ist, was er hat,
wäre auch nicht zufrieden, wenn er hätte, was er nicht hat.

Berthold Auerbach

Für mich jedenfalls ist Hygge einfach das dänische Wort für Lebensqualität – und das wird durch Vielerlei (durch uns selbst) bestimmt! Denn ob ich eine kuschelige Wolldecke oder einen gläsernen Couchtisch mit Chromfüßen für mein Wohlgefühl brauche, ist letzten Endes doch Geschmackssache.

Aber fest steht für mich auch: Dies ist endlich mal ein Hype, der auch mir gut gefällt – und der gerne etwas länger bleiben darf.

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