4. Türchen: Kind sein

Kind sein! Du wachst in der Früh auf, räkelst Dich noch ein wenig im Bett und stehst dann auf. Schon der erst flüchtige Blick aus dem Fenster verrät Dir einen eisig kalten Morgen, denn die Nacht hat einen frostig schimmernden Mantel über Wiesen und Felder gelegt.

Verbliebene Beeren und Blüten sind eingehüllt in tausend glitzernde Eiskristalle und Dich packt eine kindliche Freude über den silbrig-weißen Anblick, der Dich an eine Zuckerbäckerwerkstatt erinnert. So zart und zerbrechlich wirken Gräser und Äste.

Du musst hinaus, jetzt gleich, auch ohne Schnee. Nur noch schnell etwas anziehen. Wo sind Mütze und Schal?

Lachend gehst Du ein paar Schritte, atmest die frische Luft und berührst ganz sanft den Raureif mit Deinen Fingerspitzen. Es kribbelt und die funkelnde Pracht beginnt zu schmelzen. Ach, könntest Du sie doch nur bewahren.

Freue Dich wie ein Kind über diesen Morgen, der ein ganz besonderer ist. Denn der erste Schnee wird sicher auch nicht mehr lange auf sich warten lassen…

„Es gibt so wunderweiße Nächte, drin alle Dinge Silber sind.
Da schimmert mancher Stern so lind, als ob er fromme Hirten brächte zu einem neuen Jesuskind.
Weit wie mit dichtem Diamantenstaube betreut, erscheinen Flur und Flut,
und in die Herzen, traumgemut, steigt ein kapellenloser Glaube, der leise seine Wunder tut.“

Rainer Maria Rilke

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