Grenzenlos glücklich?

Ich meine Nein.

Alles muss heute offen und jederzeit zugänglich sein: Bankkonto, Tankstelle, Supermarkt. Jede und jeder von uns soll die (un)abhängig machende Mobilität leben und genießen: Natürlich 24/7.
Rund-um-die-Uhr-Erreich- und Verfügbarkeit in Vollendung.

Ohne Ausnahme. Ohne Beschränkung. Ohne Privatleben. Ohne Zeit für’s Ich.

Handy abschalten? Nicht sofort auf whatsApp reagieren? Den Anruf oder die Mail erst morgen beantworten? Undenkbar!! Die Erwartungshaltung an uns (und ja, auch unsere an Andere) steigt überproportional mit der Vielfalt unserer digitalen Möglichkeiten.

Wie sich dem entziehen, wo es doch ALLE so machen? Wo ist die Grenze erreicht? Gar überschritten? Allerspätestens dann, wenn meine persönlichen Bedürfnisse auf der Strecke bleiben, meine Gefühle nur noch negativ sind, weil ich handle, um es Anderen recht zu machen und als Konsequenz daraus meine Gesundheit leidet.

Ich muss selbst gesunde Grenzen setzen und gegen jedes Harmoniebedürfnis „nein“ sagen, wenn ich nein meine, ablehnen, was nicht meinem Willen entspricht oder einen Schlußstrich zu ziehen, wenn Grenzen überschritten werden. Persönlich wie online.

Und, entgegen aller weit verbreiteter Erziehungsregeln, Mädchen müssen nicht immer nett sein, sie müssen Selbstbehauptung leben. Jungs übrigens auch!

Selbstbehauptung bedeutet, sich um sich zu kümmern und die eigenen Bedürfnisse erst wahr und dann auch ernst zu nehmen. Das muss nicht laut und heftig sein, oft reicht schon ein dezenter Hinweis. Es gibt ja auch Pferde, die man nur mit ein paar Litzen eingezäunt auf einer Wiese halten kann, ohne dass sie ihre 600 kg starke Power nutzen, um auszubüchsen.

Bei notorischen „Grenzgängern“, also solchen, die ständig unangemessene Forderungen stellen oder sich Dir gegenüber unangebracht verhalten, solltest Du ruhig sehr deutlich werden. Manchmal braucht´s halt Klartext… und letzten Endes sagt ein solches Verhalten mehr über denjenigen als über Dich aus 😉

Selbstbehauptung heißt, sich selbst mit seinen eigenen Interessen gegenüber seinen Mitmenschen zu vertreten. Jetzt. In dieser Situation, in diesem Kontext. Es bedingt kein „für immer und ewig“ und wenn es mir gut geht und ich zufrieden bin, kann ich die Grenzen möglicherweise auch wieder öffnen.

Der Charakter ist wie ein Reisepass:
Er zeigt sich an Grenzen

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