Stille

Ich sitze jetzt hier am Vormittag in einem wunderschönen Garten. Die Sonne scheint und außer Vogelgezwitscher und dem Wind in den Bäumen ist nichts zu hören.

Das Pferd gegenüber auf der Koppel grast gemütlich, ohne Eile, ganz entspannt. Mein Hund liegt im Gras, wälzt sich ab und an und genießt die warmen Sonnenstrahlen auf seinem Fell.

Die Wespe, die gerade in meine Teetasse gefallen ist, habe ich wieder befreit. Eine Meise versucht, das verstreute Futter vom Dach des Vogelhauses zu picken.

Es ist so unwirklich friedlich, dass ich das Gefühl habe, gleich die 7 Zwerge hier im Garten begrüßen zu können – den Garten des Fairy Cottage, in dem sie überhaupt nicht auffallen würden…

Wie sagt man so schön: Ein Tag wie aus dem Bilderbuch.

Einzig am Himmel zeigen sich ein paar kleine Wolken, die ihre Formen ständig verändern und schneller vorbeiziehen, als es zur Ruhe hier passt.

Und diese Ruhe überträgt sich auch auf mich. Kein Gefühl von ‘ich müsste’ oder ‘ich sollte noch’, stattdessen habe ich entschieden, heute nicht mehr umher zu fahren und mir irgend etwas anzusehen.

Diesen wunderbar warmen Herbsttag werde ich hier im Garten genießen und mich überraschen lassen, was der Tag wohl bringen mag. Was ich noch entdecken werde. Vielleicht auch ein bischen lesen. Oder einfach nur auf diese wunderschöne Landschaft schauen. Mal sehen.

Ich habe ja Zeit. Zeit! Eines der kostbaren Güter, das heute niemand mehr wirklich zu haben scheint. Denn während uns all die hochgelobten technischen Erungenschaften den Alltag erleichtern und uns Arbeit abnehmen sollen, ist es doch in Wirklichkeit so, dass wir uns immer mehr hetzen. Von Termin zu Termin und das Ganze von Morgens bis Abends.

Stille ist dabei auch etwas, das verlorengegangen scheint. Autofahrer hupen, sobald man bei Grün nicht schon über der Ampel ist, im Supermarkt dudelt unaufhaltsam irgendein aktueller Popsong und am Samstagvormittag tun Rasenmäher und Laubbläser (für meinen Geschmack übrigens eines der Top Ten unnützen Erfindungen unserer Tage!) ihr übriges.

Hier höre ich ab und an eine Kuh muhen, das Pferd wiehert vielleicht mal und mein Hund bellt, wenn sich jemand dem Gartentor nähert, was hier höchst selten der Fall ist. Stille-Garantie sozusagen.

Erst recht in der Nacht. Da wird der Garten von einem Sternenzelt überdeckt, das aussieht, als hätte es jemand handgestickt und es ist absolut NICHTS zu hören.

Jetzt allerdings freue ich mich über den Wind, der in den Bäumen singt und den Hahn, der zwar spät, aber doch aus vollem Halse kräht.

Wann hast Du Dir das letzte Mal einen so stillen Tag gegönnt?

garten-rhauderfehn

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