Ausgebremst

Ich mag das Reisen. Die Vorfreude darauf. Den Abend vor dem ersten ‘richtigen’ Urlaubstag. Das Gefühl, dass sich einstellt, wenn der Alltag Pause macht und für ein paar Tage keine Uhr, kein Terminplan und keine Verpflichtungen warten.

Statt dessen: Ausschlafen, ziellos umherstreifen oder stundenlang lesen, Neues entdecken und regionale Eigenarten und Gerichte kennenlernen. Einfach in den Tag hinein leben. Herrlich!!

Am Samstag war es dann fast soweit, der Tag vor der Abfahrt: Noch ein paar Erledigungen machen, das Auto auf Vordermann bringen, vor dem Feiertag einkaufen, in Ruhe packen und alles verstauen, damit es am Sonntag ganz entspannt losgehen kann: Nach dem Ausschlafen und einer entspannten Gassirunde ohne Uhr.

Dachte ich.

Statt dessen wurde ich im wahrsten Sinne des Wortes ausgebremst: Auf dem Weg von der Waschstraße zum Einkaufen hat mir jemand die Vorfahrt genommen und ich hatte einen ziemlich heftigen Unfall. Trotz Vollbremsung. In Sekundenbruchteilen spielt ein ganzer Film ab und die Fragen, die ich mir in Gedanken stelle, beantworte ich mir auch im gleichen Augenblick. Zu spät. Es kracht und scheppert und dann das Entsetzen.

Und das einen Tag vor dem Urlaub.

Das war mein erster Gedanke. Dann Ärger, der Schock, das große Zittern und die Erkenntnis: zum Glück ist niemandem etwas passiert!

Nur Blechschaden, ein Unfallgegner, der seine Schuld eingestanden hat und ein immer noch -nach einem ad hoc-Besuch in der Werkstatt- fahrtüchtigen Auto.

Und auf einmal waren die Dinge, die ich noch erledigenden wollte völlig unwichtig. Die Prioritäten haben sich mit einem Male gründlich und absolut verschoben.

Der Schreck in den Knochen hat mir meine gesamte Energie geraubt und ich wollte nur eines: Ruhe. Die hab ich mir dann auch gegönnt.

Annehmen war angesagt. Akzeptieren was passiert ist, weil es sich nicht rückgängig machen lässt und Ärger den Unfall nicht ungeschehen macht und sich der Aufwand mit Werkstatt, Versicherung und allem sowieso nicht vermeiden lässt.

Es hat gewirkt! Die Anspannung ist irgendwann abgefallen und dann stand die Freude auf den bevorstehenden Urlaub auch wieder im Vordergrund.

Gepackt habe ich dann abends noch, das Auto aber erst am Sonntagmorgen geladen und getankt haben wir unterwegs. Wir sind entspannt in unserem Häuschen im Norden angekommen und der kleine Ort hat uns mit schönem Wetter empfangen.

Ein entspannter erster Urlaubstag, der anders geplant war, aber dennoch wunderschön wurde.

Wie oft spielt uns das Leben einen Streich und wir verwenden unsere Energie dann darauf, uns darüber aufzuregen? Wozu?

Das man derartige Erlebnisse nicht einfach weglächelt und begeistert ist, ist klar. Aber vielleicht ist das Annehmen wirklich das Beste, was wir in solch einer Situation machen können.

Annehmen heißt ja nicht, dass wir verzückt und freudig über einen Tiefschlag sind, aber das Akzeptieren nimmt dem Ganzen einen nicht unerheblichen großen Teil des Ärgers. Und das tut einfach gut. Probier es einmal aus, wenn Du das nächste mal etwas erlebst, mit dem Du so nicht gerechnet hast.

„Leben ist das was passiert, während Du dabei bist, Pläne zu machen.“

John Lennon

Aber gerade das Leben ist doch das, was wir erfahren wollen.

 

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