Ich müsste heute unbedingt… lesen

Samstagvormittag. Einkaufen, Haushalt, Wäsche: Die typischen Wochenend-Pflichten stehen an.

Das Wetter lockt nach draußen, die Begeisterung über die Aufgaben, die ich mir selbst auferlegt habe, hält sich in Grenzen. Aber es nutzt ja alles nix.

Mit einer letzten Tasse Kaffee lasse ich das Frühstück ausklingen und mein Blick fällt auf … das Buch, das ich mir diese Woche gekauft habe und eigentlich mit in den Urlaub nehmen wollte.

Die eine, große Geschichte

Schon der Titel hat mich im Buchladen angelacht, der Klappentext dann endgültig vereinnahmt.Ein Buch zum Abtauchen und den Alltag hinter sich lassen. Das Richige für eine Woche Auszeit.

Denkste!

Ich wollte ja nur mal kurz reinschnuppern… und befinde nach paarundsechzig Seiten, dass man es sich auch mal einen Tag lang außer der Reihe so richtig gutgehen lassen kann. Ohne schlechtes Gewissen, denn die Hausarbeit wird nicht weglaufen.

Losreißen kann ich mich jetzt sowieso nicht mehr, denn Patricia Koelle hat es für mein Empfinden wirklich geschafft, eine große Geschichte zu erzählen.

Von einem, der mitten im Leben steht, Höhen und Tiefen erlebt, -entgegen der elterlichen Erwartungen- seinen Traumberuf erlernt hat und diesen bis zum Beginn unserer Geschichte auch ausübt: Busfahrer will er sein, Menschen begegnen und diese an ihr Ziel bringen.

Und einer dieser Menschen ist eine Dame, die eine Ähre aus einem Wildblumenstrauß verliert. Ein kaum bemerkenswerter Augenblick. Kaum. Denn in Kalle löst er etwas aus, das längst vergessen war, dass sich jetzt aber Bahn bricht und nicht nur geträumt, sondern endlich auch gelebt werden will.

Er, der Zuverlässige, der auch sein kleines Geheimnis hat, das er mit niemandem teilt, lässt Wartende an der Haltestelle zurück, bringt seinen Bus ins Depot und tut das, von dem sicher schon jeder einmal  geträumt hat: Alles hinschmeißen und sich aufmachen auf den eigenen Weg.

Diesen einzigen, persönlichen, individuellen Weg, den einem nur die eigene Sehnsucht zeigen kann, den das Herz begleitet und den der Verstand verzeiht, egal was kommen mag.

Bis zur letzten Seite lassen mich Kalles Reise, seine Begegnungen und Gedanken nun nicht mehr los.

Was Kalle erlebt? Wie er überlebt und wen er trifft? Das solltest Du beim Lesen als seine Reisebegleitung selbst herausfinden. Aber Vorsicht! Du wirst nicht umhin kommen, dass sich auch Deine Träume zu Wort melden und Du Dir selbst Fragen stellst, die Dein Leben betreffen und die dann bestimmt auch nach Antworten verlangen.

Mein Fazit: Wenn Du anderen ihr Glück gönnen kannst, den Geschmack von Meersalz auf der Zunge und eine Meeresbrise im Haar liebst, Herbstdrachen fliegen sehen und den Geruch von reifen Erdbeeren auch außerhalb der Saison wahrnehmen kannst, dann ist dieses Buch eine Offenbarung, den all das wirst Du beim Lesen erleben. Ein Buch, das Dir einen Tag voller Lebenslust schenkt und das sich auf der letzten Seite anfühlt, als würdest Du einen guten Freund verabschieden.

Danke an diese wunderbare Autorin!

Schon oft hat das Lesen eines Buches jemandes Zukunft beeinflußt.

Ralph Waldo Emerson

Gedanken sind keine Tatsachen

Diese Aussage hat mir sehr gut gefallen. So klar und einleuchtend und doch ist uns diese Offensichtlichkeit oft nicht präsent.

Wir machen uns einen Kopf über Alles und Jeden. Vergeuden Zeit und Energie für Nichts. Zumindest nichts Elementares, das uns wirklich wichtig ist, Lösungen schafft oder uns weiterbringt.

Wie der berühmte Hamster im Käfig, der trotz aller Kraftanstrengung nicht von Ort und Stelle kommt. Das ist zermürbend und frustrierend.

Denn wenn wir das Gedankenkarussell besteigen, berauben uns die Geschwindigkeit und die Vielzahl der Eindrücke dem, was es wirklich zu sehen und zu genießen gibt. Deshalb ist es an der Zeit, die Notbremse zu ziehen und auszusteigen.

Mein Lesevorschlag für einen Abend oder Nachmittag:

Ich muss nicht alles glauben, was ich denke
Das Grübeln beenden, gelassener leben

von Serge Marquis

Wer ein tiefenpsychologisches Fachbuch erwartet, den können die 144 Seiten wahrscheinlich nicht befriedigen, wohl aber, wer für den Hausgebrauch einen praktischen Ratgeber sucht, um sich des Themas Grübeln (und wie man davon Abstand nehmen kann) einmal leicht verständlich zu nähern.

Ein Buch, dass Anreize gibt und nicht zuletzt durch den von Serge Marquis getauften Hamster ‘Grüberlich’ veranschaulicht, welches Kopfkino wir uns oft selbst bescheren, bewusst oder unbewusst.

Ob der bildhaften, leicht verständlichen Sprache ist ein flüssiges Lesen möglich und die verschiedenen Übungen sind machbare Anregungen, um endlich Abstand von der Grübelei zu nehmen.

Mein Fazit: Lesenswert als Anstoß, einmal über die eigenen Muster nachzudenken und sich das Thema ganz bewusst vor Augen zu führen.

Für ein gelasseneres Leben ist es dann aber auch nötig, etwas zu ändern 😉

„Ein Problem ist halb gelöst, wenn es klar formuliert ist.“

John Dewey

So schön altmodisch

Ich finde es total schön, Briefe und Postkarten zu schreiben. Mit einem schönen Füllfederhalter und Tinte – und von Hand!

Musik, die mindestens dreißig Jahre auf dem Buckel hat, finde ich wesentlich cooler als die meisten Popsongs aus den Charts, die nach dem fünften Abspielen nerven.

Und gute Manieren gefallen mir besonders: Grüßen, sich bedanken, eine Tür aufgehalten bekommen oder jemandem die Einkaufstasche die Treppe hochtragen!

Ja, ich bin in vielen Dingen sehr konservativ (erzogen worden).

Ne Menge Leute nennen das altmodisch und wenn sie das so sagen, klingt das oft abwertend. Ich empfinde das heutzutage eher als Kompliment!

Was ist schlimm daran, old fashioned zu sein? Man muss ja deswegen nicht zwingend auch ein Spießer oder gar rückständig sein, oder?

Früher hat man sich für vieles einfach mehr Muße zugestanden und Zeit gelassen. Für`s Kennenlernen, zum Beispiel  😉

Aber auch im Alltag ist man, selbst bei harter Arbeit, trotz allem gelassener vorgegangen:

 Eins nachem annern, wie de Bauer die Klöß’ isst!

So sagt man bei uns in Hessen und das ist wohl die schönste Art, altmodisch zu leben:

Im Büro eben nicht während der Telefonkonferenz die Mails beantworten und parallel noch pantomimisch dem Kollegen etwas erklären.

Da geht die Achtsamkeit baden und man macht nichts wirklich bewusst. Die Fehleranfälligkeit steigt und unsere Energie verpufft. Wir sind eben keine Maschinen, die auf den Mehrprozessbetrieb “programmiert” sind.

Im Gegenteil, wenn wir ein Buch lesen, den Fernseher laufen lassen und nebenbei noch den Einkaufszettel schreiben kostet das nicht nur Zeit, sondern auch Nerven. Unser Hirn springt wie ein Flummi hin und her und unterm Strich brauchen wir für alles viel länger.

Auch unsere Aufmerksamkeit sinkt. Entweder wir bekommen die Handlung auf dem Bildschirm nicht wirklich mit, können uns an den zuletzt gelesenen Absatz nicht erinnern oder vergessen das Toilettenpapier auf unserem Einkaufszettel.

Versuch es daher mal mit dem Monotasking: Weg vom alles-auf-einmal und hin zum nacheinander: Erst die Post beantworten, dann die Freundin anrufen und anschließend mit dem Schmöker auf den Liegestuhl. Es darf auch gerne ein altmodisches -vielleicht sogar romantisches- Werk sein…

Probier es doch mal aus.

Wenn ich einmal reich wär…

Wer kennt ihn nicht, den Gassenhauer des Milchmann Tevje aus dem Musical Anatevka? Er träumt davon, einmal ein Vermögen zu haben und wie er dieses anzulegen gedenkt.

Und obwohl Tevje`s Lebensumstände alles andere als friedlich und komfortabel sind, lässt er sich seine Lebensfreude nicht nehmen und trägt auch die bittersten Rückschläge noch mit Humor.

Wann immer er nachdenklich und vor zu treffenden Entscheidungen hin- und hergerissen ist, weil er das Richtige tun möchte, bleibt er doch jederzeit eines: Glücklich.

Denn dieser Mann weiß zu schätzen, was er hat und ist zudem voller Hoffnung und Zuversicht. Und das Träumen hat er sich auch bewahrt!

Und wir?

Wie oft hadern wir mit unserem Alltag und jammern: “Ach, ich würde ja, …wenn das Wetter besser wäre / …wenn ich mehr Zeit hätte / …wenn die Kinder schon groß wären / …wenn ich damals anders entschieden hätte / …wenn mein Partner, meine Nachbarn, mein Chef…“

Dabei vergessen wir oft, für was wir alles dankbar sein können und sehnen uns immer noch mehr Dinge herbei, die nicht oder zumindest im Moment nicht möglich sind.

Oder wir träumen und vergessen, dass wir diese nur realisieren können, wenn wir endlich aufwachen und Verantwortung übernehmen.

So verpassen wir vielleicht allzu oft auch die Chance, unsere Träume eventuell doch noch umzusetzen.

Denn Chancen muss man sehen UND auch ergreifen. Offen sein für das, was sich bietet und auch etwas dafür tun: Uns aus unserer kuscheligen Komfortzone bewegen, vielleicht auch im Regen rausgehen, getroffene Entscheidungen revidieren und jetzt eben einen neuen -und ungewohnten! – Weg einschlagen.

Mutig sein, uns selbst vertrauen und Altbekanntes hinter uns lassen. Dem Glück begeistert entgegenlaufen und nicht starr darauf warten, dass es uns findet.

Was tun wir stattdessen? Wir nutzen Argumente (oder Ausreden?) um genau diese vertrauten Pfade nicht verlassen zu müssen.

Dabei haben wir in unserer Gesellschaft, unserer Kultur und unserer Zeit -ganz im Gegensatz zu unserem Milchmann- heutzutage fast alle Möglichkeiten. Noch dazu jede Menge Alternativen etwas um- oder durchzusetzen.

Warum ergreifen wir nicht einfach die Gelegenheit, wenn sie sich uns bietet und ändern bzw. verbessern das, was uns unzufrieden macht?

Oder wir danken einfach für das, was ist und nutzen unsere Träume dazu, unsere Phantasie anzuregen und auszuleben?

Die Entscheidung liegt einzig und allein bei uns.

Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.

Molière

Ein bischen wehmütig…

wird mir ja schon jedes Jahr im Oktober: Die Tage werden kürzer, die Temperaturen gehen nach unten und morgens steht schon der Nebel in den Wiesen. Jacke und Schal sind angesagt, wenn ich morgens die erste Runde mit meinem Hund drehe.

Vergangen sind die Abende, die wir bei einem Glas Wein im Garten verbringen, bis es Zeit ist ins Bett zu gehen. Draußen schlafen und in den Sternenhimmel schauen ist jetzt auch nicht wirklich gemütlich und beim Spaziergang die Füße in den Bach zu stricken, finde ich mehr als erfrischend. Brrrr

Die dunkle Jahreszeit steht bevor! Für viele ein Graus. Dabei hat auch sie ihre wohligen Seiten: heimeliges Kerzenlicht,  gemütliche Lesenachmittage und schon bald der Duft frisch gebackener Plätzchen…

Aber jetzt erfreue ich mich erst einmal an dem bunten Laub, das mir überall entgegenlacht, an Kastanien und Walnüssen, die mir vor die Füße kullern und an Äpfel und Birnen, die jetzt reif und lecker von den Bäumen fallen.

Und dann natürlich die anstehenden Arbeiten in Garten, Hof und auf der Terrasse: Auch ein Neuanfang, zwar anders als im Frühjahr, aber nicht weniger bewegend.

Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Verblühtes muss ausgegraben oder abgeschnitten werden und alles, was an Gartenmöbel, Töpfen und Deko nicht winterfest ist, verlangt nach einem trockenen Flecken.

Ich habe Glück! Heute spielt das Wetter mit, es ist frisch, aber sonnig und den Vormittag habe ich damit verbracht, die Orient-Lounge wieder in eine Winter-Lounge zu verwandeln und all das zu verpacken, was den Winter draußen wohl nicht überdauern würde.

Jetzt bin ich geschafft, aber rundum zufrieden – ein gutes Gefühl.

Und die Wehmut ist der Freude gewichen, auf das was vor mir liegt. Denn ein guter Glühwein oder Kakao mit Freunden am prasselnden Feuerchen machen auch die Aussicht auf trübe Tage zu einem Lichtblick!

Der Herbst ist die Jahreszeit, in der die Natur die Seite umblättert.

Pavel Kosorin

Mein Bauch sagt Ja!

Oft. Meistens. Manchmal sagt er auch Nein. Ich höre ihn ganz genau!

Aber warum höre ich dann oft trotzdem nicht richtig hin?

Weil der Verstand dazwischenkommt und mir mit seinen gesammelten Erfahrungen, ähnlich gemachten Erlebnissen und dem Abwägen der Alternativen scheinbar gute Argumente liefert, etwas zu tun – oder eben nicht.

Logik gegen Gefühl.

Sachlichkeit gegen Emotion.

Kopf gegen Bauch.

Das Ende vom Lied: Es siegt die Vernunft. Klar, sie hat ja auch alle Fakten auf ihrer Seite und versteht es, mit genau diesen eine rückhaltlos eindeutige Schlussfolgerung zu zimmern. 1:0 gegen die Intuition.

Trotzdem geht das Ganze schief und die Bauchlandung, die ich hinlege, hat sich gewaschen. Reingefallen!

Dabei hätte ich es wissen müssen. Dieses erste Gefühl, dass mich beschlich, als ich über eine Entscheidung nachgedacht habe… Es hat sich so klar, so passend und wahr angefühlt.

Zumindest bis zu dem Moment, in dem ich dann angefangen habe, Vor- und Nachteile aufzuzählen und  zu verglichen, gekrönt von dem Versuch, Risiken zu bewerten. Wieso??

Im Nachhinein weiß man es immer besser. Aber zum Zeitpunkt der Entscheidungsfindung?

Wieso können wir nicht einfach auf dieses erste feine und doch so eindeutige Zeichen hören und uns dort hineinfallen lassen?

Weshalb muss alles bewertet, gedreht, gewendet und gemessen werden, bis wir glauben die absolute Sicherheit und die Garantie für’s Gelingen zu haben?

Eine Garantie, von der wir doch längst wissen, dass es sie nicht gibt.

Und doch haben wir uns im Laufe der Zeit angewöhnt, mehr nach der vermeintlichen Objektivität zu urteilen, als auf all das zu hören und achten, was unser Körper uns mitteilt.

Aber fahren wir damit besser? Vielleicht ist es an der Zeit wieder mehr vom Denken zum Fühlen zu kommen?

Wie? In dem wir uns im auf-den-Bauch-hören üben und ihm öfter den Vortritt lassen. Nicht nur bei den großen Entscheidungen…

Dann können wir auch wieder öfter sagen:

“Die Vernunft kann einem schon leid tun, sie verliert fast immer.

Ich bin gerne neugierig!

Obwohl mir die Silbe -gier- in Neu-gier-ig gar nicht gefällt und für das, was ich damit verbinde auch überhaupt nicht passt. Ich finde, Neugierde ist eine Tugend!

Es gibt so vieles, dass uns interessiert und das wir wissen wollen – und damit meine ich nicht die Nase ungefragt in anderer Leut’s Angelegenheiten zu stecken 😉 Vielmehr geht es mir ums Entdecken und ums Lernen.

Wenn wir nachfragen und nachhaken bei Themen, die uns beschäftigen, deren Hintergrund uns reizt.
Wenn wir uns nicht nur mit den Äußerlich- und Oberflächlichkeiten zufrieden geben.
Wenn wir mehr wissen wollen. Jeden Tag, immer wieder! Bei kleinen wie bei großen Themen.

  • Wie wird Blätterteig gemacht?
  • Was genau steckt hinter TTIP?
  • Wie funktioniert eine Waschmaschine?
  • Warum muss man beim Schnapsbrennen Zoll bezahlen?

Forschungen oder Erfindungen? Undenkbar ohne sie: Neugierde hilft uns, Unentdecktes zu erforschen, Wissen zu erlangen und mit dem, was wir da (er)finden auch zu wachsen.

Ob es sich um eine Chance handelt oder wir uns in Gefahr bringen, stellt sich oft erst auf dem Weg heraus, aber indem wir bislang Unbekanntes erfahren wollen, haben wir vielleicht auch die Möglichkeit Angst und Mut zu begegnen, zu nutzen und – zu besiegen.

Es geht überhaupt nicht darum, wie kompliziert oder umfangreich unser Objekt der Wissbegierde ist; auch nicht, wie überragend die Antwort ausfällt. Ich finde es zählt einzig die Tatsache, dass wir uns überhaupt aufmachen unsere Neugierde zu befriedigen und etwas Bestimmtes zu hinterfragen.

All das, was wir da in Erfahrung bringen, verändert vielleicht nur kurz- oft aber auch langfristig unsere Sichtweise und weitet unseren Horizont. Und wer möchte nicht wissen, was sich dahinter verbirgt? Denn: wer nicht fragt, bleibt dumm!

 „Die Neugierde der Kinder ist der Wissensdurst nach Erkenntnis, darum sollte man diese in ihnen fördern und ermutigen.“

John Locke

Schade, dass sich manch Erwachsener diese Lust nach Wissen abgewöhnt zu haben scheint…

Im Gegenteil!

Manchmal ist alles grau, der Alltag so farblos und langweilig, dass wir am liebsten einen Eimer Farbe hineinkippen würden: Regenbogenbunt!

Nein, nicht dass das Leben an sich öde wäre oder mir gerade langweilig ist. Aber die so wichtigen Rituale und Selbstverständlichkeiten schlagen doch oft in Eintönigkeit um, die uns in einen Trott bringen, aus dem wir nicht so einfach wieder herauskommen, weil wir vieles so automatisch machen, dass wir es gar nicht mehr bewusst wahrnehmen.

Deshalb: mach doch heute mal das Gegenteil von dem, was Du normalerweise tust:

  • Trink morgens Tee statt Kaffee
  • Setz Dich beim Essen oder im Meeting mal auf einen anderen als Deinen Stammplatz
  • Fahr mit dem Bus oder der Bahn statt mit dem Auto. Vielleicht sogar mit dem Fahrrad?
  • Schreib mal wieder einen Brief oder eine Postkarte anstatt einer Mail – handschriftlich!
  • Geh zu einem anderen Bäcker oder Supermarkt als üblich
  • Kaufe nichts von dem, was Du sonst automatisch in den Wagen legst. Schau Dich nach Alternativen um. Probier was Neues aus!
  • Bestimmt fällt Dir noch mehr ein

Es tut gut, ab und an aus Routinen auszubrechen und eine andere Sichtweise einzunehmen. Das öffnet uns für Neues und schenkt uns Inspirationen und Ideen. Und die können doch eigentlich nie schaden, oder?

Ich verstehe nicht, warum sich die Menschen vor neuen Ideen fürchten, ich fürchte mich vor den alten.

John Cage

Stille

Ich sitze jetzt hier am Vormittag in einem wunderschönen Garten. Die Sonne scheint und außer Vogelgezwitscher und dem Wind in den Bäumen ist nichts zu hören.

Das Pferd gegenüber auf der Koppel grast gemütlich, ohne Eile, ganz entspannt. Mein Hund liegt im Gras, wälzt sich ab und an und genießt die warmen Sonnenstrahlen auf seinem Fell.

Die Wespe, die gerade in meine Teetasse gefallen ist, habe ich wieder befreit. Eine Meise versucht, das verstreute Futter vom Dach des Vogelhauses zu picken.

Es ist so unwirklich friedlich, dass ich das Gefühl habe, gleich die 7 Zwerge hier im Garten begrüßen zu können – den Garten des Fairy Cottage, in dem sie überhaupt nicht auffallen würden…

Wie sagt man so schön: Ein Tag wie aus dem Bilderbuch.

Einzig am Himmel zeigen sich ein paar kleine Wolken, die ihre Formen ständig verändern und schneller vorbeiziehen, als es zur Ruhe hier passt.

Und diese Ruhe überträgt sich auch auf mich. Kein Gefühl von ‘ich müsste’ oder ‘ich sollte noch’, stattdessen habe ich entschieden, heute nicht mehr umher zu fahren und mir irgend etwas anzusehen.

Diesen wunderbar warmen Herbsttag werde ich hier im Garten genießen und mich überraschen lassen, was der Tag wohl bringen mag. Was ich noch entdecken werde. Vielleicht auch ein bischen lesen. Oder einfach nur auf diese wunderschöne Landschaft schauen. Mal sehen.

Ich habe ja Zeit. Zeit! Eines der kostbaren Güter, das heute niemand mehr wirklich zu haben scheint. Denn während uns all die hochgelobten technischen Erungenschaften den Alltag erleichtern und uns Arbeit abnehmen sollen, ist es doch in Wirklichkeit so, dass wir uns immer mehr hetzen. Von Termin zu Termin und das Ganze von Morgens bis Abends.

Stille ist dabei auch etwas, das verlorengegangen scheint. Autofahrer hupen, sobald man bei Grün nicht schon über der Ampel ist, im Supermarkt dudelt unaufhaltsam irgendein aktueller Popsong und am Samstagvormittag tun Rasenmäher und Laubbläser (für meinen Geschmack übrigens eines der Top Ten unnützen Erfindungen unserer Tage!) ihr übriges.

Hier höre ich ab und an eine Kuh muhen, das Pferd wiehert vielleicht mal und mein Hund bellt, wenn sich jemand dem Gartentor nähert, was hier höchst selten der Fall ist. Stille-Garantie sozusagen.

Erst recht in der Nacht. Da wird der Garten von einem Sternenzelt überdeckt, das aussieht, als hätte es jemand handgestickt und es ist absolut NICHTS zu hören.

Jetzt allerdings freue ich mich über den Wind, der in den Bäumen singt und den Hahn, der zwar spät, aber doch aus vollem Halse kräht.

Wann hast Du Dir das letzte Mal einen so stillen Tag gegönnt?

garten-rhauderfehn

Ausgebremst

Ich mag das Reisen. Die Vorfreude darauf. Den Abend vor dem ersten ‘richtigen’ Urlaubstag. Das Gefühl, dass sich einstellt, wenn der Alltag Pause macht und für ein paar Tage keine Uhr, kein Terminplan und keine Verpflichtungen warten.

Statt dessen: Ausschlafen, ziellos umherstreifen oder stundenlang lesen, Neues entdecken und regionale Eigenarten und Gerichte kennenlernen. Einfach in den Tag hinein leben. Herrlich!!

Am Samstag war es dann fast soweit, der Tag vor der Abfahrt: Noch ein paar Erledigungen machen, das Auto auf Vordermann bringen, vor dem Feiertag einkaufen, in Ruhe packen und alles verstauen, damit es am Sonntag ganz entspannt losgehen kann: Nach dem Ausschlafen und einer entspannten Gassirunde ohne Uhr.

Dachte ich.

Statt dessen wurde ich im wahrsten Sinne des Wortes ausgebremst: Auf dem Weg von der Waschstraße zum Einkaufen hat mir jemand die Vorfahrt genommen und ich hatte einen ziemlich heftigen Unfall. Trotz Vollbremsung. In Sekundenbruchteilen spielt ein ganzer Film ab und die Fragen, die ich mir in Gedanken stelle, beantworte ich mir auch im gleichen Augenblick. Zu spät. Es kracht und scheppert und dann das Entsetzen.

Und das einen Tag vor dem Urlaub.

Das war mein erster Gedanke. Dann Ärger, der Schock, das große Zittern und die Erkenntnis: zum Glück ist niemandem etwas passiert!

Nur Blechschaden, ein Unfallgegner, der seine Schuld eingestanden hat und ein immer noch -nach einem ad hoc-Besuch in der Werkstatt- fahrtüchtigen Auto.

Und auf einmal waren die Dinge, die ich noch erledigenden wollte völlig unwichtig. Die Prioritäten haben sich mit einem Male gründlich und absolut verschoben.

Der Schreck in den Knochen hat mir meine gesamte Energie geraubt und ich wollte nur eines: Ruhe. Die hab ich mir dann auch gegönnt.

Annehmen war angesagt. Akzeptieren was passiert ist, weil es sich nicht rückgängig machen lässt und Ärger den Unfall nicht ungeschehen macht und sich der Aufwand mit Werkstatt, Versicherung und allem sowieso nicht vermeiden lässt.

Es hat gewirkt! Die Anspannung ist irgendwann abgefallen und dann stand die Freude auf den bevorstehenden Urlaub auch wieder im Vordergrund.

Gepackt habe ich dann abends noch, das Auto aber erst am Sonntagmorgen geladen und getankt haben wir unterwegs. Wir sind entspannt in unserem Häuschen im Norden angekommen und der kleine Ort hat uns mit schönem Wetter empfangen.

Ein entspannter erster Urlaubstag, der anders geplant war, aber dennoch wunderschön wurde.

Wie oft spielt uns das Leben einen Streich und wir verwenden unsere Energie dann darauf, uns darüber aufzuregen? Wozu?

Das man derartige Erlebnisse nicht einfach weglächelt und begeistert ist, ist klar. Aber vielleicht ist das Annehmen wirklich das Beste, was wir in solch einer Situation machen können.

Annehmen heißt ja nicht, dass wir verzückt und freudig über einen Tiefschlag sind, aber das Akzeptieren nimmt dem Ganzen einen nicht unerheblichen großen Teil des Ärgers. Und das tut einfach gut. Probier es einmal aus, wenn Du das nächste mal etwas erlebst, mit dem Du so nicht gerechnet hast.

„Leben ist das was passiert, während Du dabei bist, Pläne zu machen.“

John Lennon

Aber gerade das Leben ist doch das, was wir erfahren wollen.