Glücklicher Nachruf?

In unserer Kultur ist das Thema Tod eines, das weitestgehend ausgeklammert wird. Beklommenheit macht sich breit, sobald jemand in der Runde das Thema anschneidet. Mit unserem Lebensende wollen wir uns nicht befassen, mit dem unserer Liebsten schon garnicht.

Dabei rangiert der Tatort am Sonntagabend auf Platz 1 der Einschaltquoten. Tod mit Ansage. Sterben ja, aber bitte immer mit wohlwollendem Abstand.

Doch dieser Teil unseres Lebens ist unausweichlich. Denn das der Sensenmann uns eines Tages holt ist unvermeidbar, zum Glück wissen wir nicht, wann und wie.

Aber wenn es denn einmal soweit ist: Wirst Du bereuen, wirst Du das Gefühl haben, etwas verpasst zu haben? Oder lebst Du das Leben, dass Du wirklich leben willst?

Was könnte auf Deinem Grabstein stehen? “Er war stets zuverlässig und ordentlich.” oder eher “Sie hat das Leben genossen.”

Was würden Deine Familie, Deine Freunde, Deine Bekannten sagen, wenn sie einen Nachruf auf Dich verfassen sollten? Was wünschst Du Dir, dass sie sagen mögen?

Fühl einmal in Dich hinein und dann setz Dich hin und schreibe Deinen eigenen Nachruf. Mit welchem Gefühl würdest Du gehen wollen und was fühlt sich stimmig für Dich an?

Sicher tauchen dann ein paar Abenteuer auf, die Du noch bestehen willst, Menschen, die Du wiedersehen möchtest oder Orte, die Du immer schon besuchen wolltest.

Warum hast Du das alles bis jetzt noch nicht getan? Weil der Mut fehlt? Weil wir vor dem zurückschrecken, das unser Umfeld sagen oder denken könnte? Leben ist jetzt und hier. Und zum Glücklichsein muss man sich entschliessen!

Egal wie alt wir werden, irgendwann ist unsere Zeit abgelaufen und es wäre schade, dann zurückzublicken und nicht aus vollem Herzen sagen zu können: “Ich habe ein glückliches Leben geführt!!!”

Denn wie auch immer unser Leben verläuft: Wir leben das Unsere und nicht das der Anderen.

Du kannst natürlich auch die berühmte “Löffelliste” erstellen, also all die Dinge aufschreiben, die Du tun möchtest, bevor Du den Löffel abgibst. Ob darauf 12 oder 120 stehen ist auch unbedeutend, solange Du anfängst sie umzusetzen.

Das können so einfach Dinge sein, wie z.B. Japanisch essen gehen oder der berühmte Fallschirmsprung. Eben all jenes, was Du einfach einmal erleben möchtest.

Und keine Begrenzungen, bitte, ganz gleich wie banal oder irrwitzig Deine Träume sind. Werde Dich ihrer bewusst und mach sie wahr, einen nach dem Anderen. Lerne mit 60 noch schwimmen oder fange mit 40 an Gitarre zu spielen.

Ich möchte in diesem Leben auf jeden Fall noch Ballonfahren (trotz Höhenangst), den Motorradführerschein machen (obwohl ich maximal Vespa fahren würde), einmal nach Indien reisen, mit dem Auto durch eine geschlossene Schranke im Parkhaus brettern 😉 , in der Wüste übernachten, Trekker fahren und und und

Und Du?

„Der Bettler scheidet ebenso schwer von seiner Armut
wie der König von seiner Herrlichkeit“

Friedrich von Schiller

2 Gedanken zu “Glücklicher Nachruf?

  1. Andreas Siegel

    Liebe Dagmar,

    meinen Nachruf habe ich noch nicht verfasst aber ich habe den Text für meinen Grabstein:

    „Ich gehe zu denen, die mich liebten. Und warte auf die, die ich liebe.“

    Zu dem Text könnte ich sicher jetzt viel schreiben, das (er)spare ich Dir und mir aber. Nur so viel: Für mich steckt hier viel von meinem Glauben (meiner Spiritualität) drin, dass es eben mehr gibt als das Leben auf diese Welt. Bei diesem „Mehr“ spielt die Liebe die zentrale Rolle, denn was uns in Liebe getan wurde UND was wir in Liebe tun, das hat Bestand.

    Das Bewusstmachen der eigenen physischen Endlichkeit hat für mich nichts Erschreckendes. Klar ist bin ich gern auf der Welt und freu mich an vielen Dingen aber sich des Tods bewusst zu sein, hilft ja auch hin und wieder den Arsch hoch zu bekommen und etwas zu bewegen.

    Liebe Grüße,
    Andi

    Gefällt 2 Personen

    1. Lieber Andi, so berührende Zeilen. Ich danke Dir und, ja, lieben sowie wahr-und annehmen das wir hier endlich sind, das macht bewusst.
      Und bewegen werden wir sicher noch vieles 🙂 Alles Liebe, D.

      Gefällt mir

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