Loslassen … und ganz viel zurückbekommen

Einfach gesagt – schwieriges Thema. Finde ich. Besonders bei Menschen… und eigenen Verhaltensweisen… und Dingen.

Erst haben wir alles so schön aufgebaut, angesammelt und zusammengetragen und jetzt? Einfach wieder davon ablassen? Obwohl wir ganz genau wissen, dass es dann viel besser wäre: Für unser Wohlbefinden, für unsere Behaglichkeit, für unser Glück.

Am Wochenende war ich auf dem Flohmarkt. Als Verkäufer. Nein, ungeliebte Zeitgenossen und Angewohnheiten bin ich da nicht losgeworden, aber jede Menge Kram.

All das, was seit Jahren in Schränken, Kisten und Kasten schlummert und mein trautes Heim verstopft. Obwohl ich regelmäßig ausmiste, aber eben nur mal hier und da. Kein Tabularasa im großen Stil. Immer alles schön übersichtlich.

Damit war nun endgültig Schluß! Denn, um ehrlich zu sein, die Übersicht hab ich irgendwann verloren. Wie viele Salatschüsseln braucht man wirklich? Mit dem Heer an Büroklammern hätte ich eine ganze Abteilung ausstatten können und Klamotten, von denen ich immer wieder dachte ‘Naja, die kann ich noch zum Streichen oder Gassi gehen anziehen…’ Humbug!

Malerarbeiten lasse ich machen und beim Laufen mit dem Hund möchte ich Sachen tragen, in denen ich mich wohlfühle! Okay, ein bis zwei nicht mehr ganz so taufrische Hosenexemplare für den Winter haben sich tapfer im Bestand gehalten. Sei´s drum.

Ansonsten blieb keine Schublade, kein Schrankfach und kein Kommodenregal unberührt. Bücher, Küchenutensilien, T-Shirts, Nagellacke, Oster-, Weihnachts- und andere Saisonartikel, alles, was ich nicht wirklich benutze ist rausgeflogen.

Was für ein befreiendes Gefühl!!!

Mein Motto beim Ausmisten war: Was mich nicht zufrieden macht, mir nicht wirklich gefällt oder was ich geschenkt bekommen habe (und von Anfang an nicht mochte) muss gehen.

Knapp zehn Tage dauerte dieser Ausnahmezustand – mein Hund und die Katzen waren, ob des zeitweiligen Chaos in unserem sonst behaglichen Zuhause etwas verstört, denn kein Stein bzw. Teller blieb auf dem anderen. Mittlerweile haben sie sich aber wieder entspannt (-:

Nach jeder Sortieraktion war ich körperlich und mental erschöpft, gleichzeitig fühlte ich mich beflügelt und im wahrsten Sinne des Wortes erLEICHTert.

Platz in den Schränken und auf den Regalen. Mit einem Blick zu sehen was ich habe und wo es ist, noch dazu mit einem Griff das in der Hand halten, was ich gerade brauche: Herrlich!

Dafür sah es jetzt in Flur und Hof ungleich ordentlicher aus: Denn was ausrangiert wurde, wanderte direkt in Kartons für den Trödel und die mussten schließlich auch irgendwo gelagert werden. Aber das war nur ein Thema ‘auf Zeit’. Also dachte ich mir “Zähne zusammenbeißen, das geht auch vorbei.“

Am Samstag ging´s dann ans Auto packen, bei 30 Grad nicht gerade erfrischend, aber dafür war der Anblick meines wieder ansehnlichen Wohnraums ein rundum lohnender!

Was ich nun für´s Loslassen und ackern erhalten habe? Jede Menge angenehmer, interessanter und oft auch witziger ‘Verhandlungsgespräche’ mit den Flohmarktbesuchern, ein nettes kleines Sümmchen Bares und das wunderbare Gefühl, nichts verloren zu haben.

Im Gegenteil: Mein neues Zuhause macht mir mehr Freude denn je und ich freue mich an den Sachen, die ich auch nutze.

Wenn ich loslasse, was ich bin, werde ich, was ich sein könnte.
Wenn ich loslasse, was ich habe, bekomme ich, was ich brauche.

Lao Tse

Was die Gewohnheiten angeht, die ich noch loswerden möchte, dazu schreibe ich ein anderes Mal. Von heut’ auf morgen geht das ja auch nicht. Es ist eben wie beim Ausmisten…

 

P.S. Die Sachen, die ich nicht losgeworden bin, wandern nicht zurück in die Schränke. Statt dessen spende ich sie dem Sozialkaufhaus. Dann kann sich noch jemand anderes darüber freuen.

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